Eisenbahn-Alpentransversale Achse Gotthard, Schweiz

Auftraggeber

AlpTransit Gotthard AG, Luzern (Schweiz)

Projektdaten

Invesitionssumme: ca. 13,9 Mrd. Schweizer Franken
Zeitraum: 1999 – 2020

Auftrag

  • Einführung des Projektcontrollingsystems GRANID
  • Bauherrn-Consulting
  • Customizing von GRANID auf kundenspezifische Anforderungen

Projekt

Die AlpTransit Gotthard AG ist eine durch das Schweizer Volk eingesetzte Managementgesellschaft für die Planung und den Bau der Achse Gotthard, als Teil des europäischen Hochgeschwindigkeitsnetzes. Der Gotthard-Basistunnel als längster Eisenbahntunnel der Welt (57 km) unterquert die Zentralalpen südlich des Vierwaldstättersees zwischen Erstfeld (Uri) und Bodio (Tessin). Zusammen mit dem Ceneri-Tunnel (15,4 km) entsteht eine durchgehende Flachbahn durch die Alpen. Die Reisezeit von Luzern nach Lugano wird sich nahezu halbieren.

Zur Steuerung des Gesamtvorhabens sowie zur Sicherstellung eines gesamtheitlichen Berichtswesens hat sich die AlpTransit Gotthard AG nach einer Ausschreibung zur Einführung des System GRANID als Software für das Projektcontrolling entschlossen. Ein wesentliches Kriterium war die flexible Anpassung an die Anforderungen der Berichterstattung gemäß der Systematik der vom schweizerischen Bundesamt für Verkehr herausgegebenen NEAT-Controlling Weisung (NCW). Eng damit verbunden war auch die Möglichkeit der bei langlaufenden Projekten nötigen Berücksichtigung der Preisindexierung.

Die feierliche Eröffnung des Gotthard-Basistunnel am 01.06.2016 als zentraler Bestandteil des Gesamtprojekts der Neuen Alpentransversalen (NEAT) war von großem Medieninteresse begleitet. Besonders hervorgehoben wurden die intensive Beteiligung der Bürger und die Einhaltung der Termin- und Kostenziele. Letztere zeigen in Anbetracht der langen Bauzeit die hohe Qualität der Projektbearbeitung.
Die Fertigstellung der Achse Gotthard erfolgt mit der Eröffnung des Tunnels Ceneri voraussichtlich im Jahr 2020. Derzeit sind die Arbeiten auch hier im Kosten- und Terminrahmen.

Umsetzung

Im Rahmen des Customizing wurde das System GRANID auf die Kennzahlensystematik der „NEAT Controlling Weisung“ angepasst. Begleitend dazu wurden Konzepte und Spezifikationen erstellt und mit dem Kunden abgestimmt. Dadurch entstand nicht nur funktional, sondern auch ergonomisch eine ansprechende Lösung, die sich optimal in die Geschäftsprozesse des Kunden einbindet.

Alle kosten- und finanzrelevanten Geschäftsprozesse werden unterstützt durch Funktionen der Module:

  • Kosten
  • Finanzen
  • Änderungswesen
  • Vergabe
  • Vertrag
  • Abrechnung
  • Landerwerb
  • Business Intelligence (BI) Funktionen
Zur Durchgängigkeit der Geschäftsprozesse werden leistungsfähige Schnittstellen zu externen Systemen zur Verfügung gestellt:

  • System «Abacus» (Integration der Daten der Finanzbuchhaltung)
  • System «Evidence» (Integration der Daten der Adressverwaltung)
  • Übertragung KOFAT-Dateien mit den stichtagsbezogenen Kennzahlen an das Bundesamt für Verkehr (BAV)
  • Übertragung der Daten zu genehmigungspflichtigen Projektänderungen an das BAV
  • Verlinkung auf Dokumente des Dokumenten-management-Systems «eDOCS» der Firma OpenText
Im Zuge der Einführung des Systems wurden die Anwender mehrere Tage geschult und durch intensives Coaching sukzessive die Systemkenntnisse weiter vertieft. Ein Pflege- und Supportvertrag gibt die nötige Sicherheit für den laufenden Betrieb und die Weiterentwicklung des Systems bei Änderungen der Geschäftsprozesse. GRANID wird als Remote Desktop-Lösung im ATG-eigenen Netzwerk betrieben. Mehr als 150 Anwender arbeiten an vier Standorten mit dem System GRANID.

Vorteile für den Auftraggeber

Eine Datenbasis für die Projektbeteiligten

Alle Kosten- und Finanzdaten werden in einer zentralen Datenbank mittels eines integrierten Datenmodells verwaltet. Diese Datenbasis bildet die Grundlage für:

  • das tägliche operative Bauherrn-Controlling auf Basis der Kennzahlen aus den Bereichen Kosten, Finanzen und Landerwerb. Auf Grund der Aktualität der Daten aus den Geschäftsprozessen sollen sich abzeichnende Risiken frühestmöglich erkannt werden.
  • das Kennzahlen-bezogene interne und externe Berichtswesen. Dabei können die Berichtsergebnisse stets auf die Ausgangsdaten rückverfolgt werden. Jede in den Berichten verwendete Kennzahl wird einmalig berechnet. Damit ist die Konsistenz der Aussagen berichtsübergreifend gewährleistet.
  • die Schnittstellen für die Berichtspflichten und das Projektänderungswesen an das Bundesamt für Verkehr. Auch hier ist die Nachvollziehbarkeit der Datengrundlage jederzeit gegeben.

Voraussetzung sind qualitativ hochwertige Ausgangsdaten. Eine ausgefeilte Bearbeitungslogik unterstützt die Dateneingabe und vermeidet Fehleingaben. Des Weiteren protokolliert eine Journalfunktion die Änderungen an den Daten und sorgt damit für eine hohe Transparenz bei der Datenpflege.

Mehrdimensionale Analyse der Projektkennzahlen

Die Daten werden in einem Datawarehouse mehrdimensional auf verschiedenen Verdichtungsebenen verwaltet. Damit können die Controllingergebnisse und deren Kennzahlen mittels den bekannten Business-Intelligent-Funktionen (Drill-down, Slice & Dice) effizient analysiert werden.

Die Analysen erfolgen entweder intuitiv anhand vordefinierter Webparts oder mit dem in der Regel verfügbaren Tool MS Excel. GRANID stellt dafür ein „MS Excel Add-in“ zur Verfügung, welches die Analysemöglichkeiten und die ergonomische Bearbeitung zusätzlich unterstützt. Die Ergebnisse können unabhängig vom GRANID Client durch Verschicken eines Links auch anderen Beteiligten verfügbar gemacht werden.

Historisierung und Stichtage

Die Beurteilung der Projektsituation erfolgt auch anhand der zeitlichen Entwicklung von Kennzahlen. Gleichzeitig sind sie wesentlicher Bestandteil des Berichtswesens.

In Verbindung mit der Journalfunktion bietet GRANID die Möglichkeit, die Kennzahlen zurückliegender Projektstände jederzeit tagesgenau auszuweisen. Ergänzend dazu werden die Kennzahlen regelmäßig zu festgelegten Stichtagen, in diesem Fall monatsweise, im Datawarehouse gesichert. Eine spezielle Verarbeitungslogik erlaubt es, nicht plausible Daten (z. B. Erfassungsfehler) nachträglich zum Stichtag zu bereinigen. Damit kann die Berichterstattung jederzeit direkt aus den Ausgangsdaten generiert werden.